„From farm to fork“

Warum die Preise für Nahrungsmittel „explodieren“, ist nicht ganz durchsichtig. Ins Feld der Erklärung geführt wird, es seien die gestiegenen Transportkosten, die es veranlassen. Die Volkswirtschaftslehre sagt etwas anderes. Sie postuliert: Das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis. Das ist schlüssig. Mehr Nachfrage entsteht auch aus der nackten Zahl der Verbraucher, die gewachsen ist. Kluge Köpfe haben errechnet, jeder Flüchtling aus der Ukraine werde mit € 3.400,- im Monat alimentiert. Das schafft Nachfrage. Preisaufschläge später wieder rückgängig zu machen, ist nicht so einfach, was man an den Benzinpreisen sieht. Die gehen auch langsamer zurück als hoch. 

Thaibasilikum von Myriad

Bei den Überlegungen kommt ein start-up ins Spiel, das den Anbau von Pflanzen und Kräutern im heimischen Umfeld ermöglicht. Es hat ein Modul entwickelt, bei dem auf nur 0,15 qm Fläche 16 verschiedene Pflanzen angebaut werden können, egal an welchem  Standort, an 365 Tagen im Jahr und mit einem doppelt so schnellen Wachstum wie herkömmlich. Wer sich dessen bedient, braucht lediglich auf Zuruf Wasser einfüllen und – ernten.  

„Die Idee zu einem autonomen Indoor-Garten entstand, als wir selbst in unserer  Wohnung ohne Balkon in Pflanztöpfen Gemüse anbauen wollten und komplett  gescheitert sind“, erklärt Yannic Hönle, einer der beiden Gründer von Myriad.  Gemeinsam mit seiner Partnerin Miriam Martín González war er zu diesem Zeitpunkt  für ein Projekt in der Raumfahrtindustrie tätig, das beide auf die Idee einer erdlosen vertikalen Farm brachte. Das Prinzip der Aeroponik, der Kultivierung  von Pflanzen in nährstoffangereicherter Luft, das auch auf der internationalen  Raumstation eingesetzt wird, wurde somit zur Basis für das Myriad-Konzept, das nun jeden zum Selbstversorger machen kann.  „Der Zeitaufwand liegt bei ungefähr fünf Minuten pro Woche, und zwar für das  Ernten von frischen Tomaten oder Kräutern“, erklärt Miriam Martín González.  „Mehr Aufwand ist nicht nötig, um das ganze Jahr über eigens angebautes Gemüse  zu genießen. Das Modul funktioniert automatisch. 

Im Gegensatz zu anderen  vertikalen Farmen und smarten Gärten, die sich nur für Kräuter und Salate  eignen, können mit dem autonomen Gardening-System Myriad auch Tomaten, Gurken,  Radieschen und Zucchini angebaut werden. Gleichzeitig wird der Wasserverbrauch gegenüber herkömmlicher Landwirtschaft um bis zu 99 % minimiert und  dank LED verbraucht der Garten durchschnittlich 24 Watt pro Stunde.  

Bei der Umsetzung ihrer Idee werden die Myriad-Gründer durch ein Exist-Gründerstipendium von der Universität  Bayreuth unterstützt und dort für den Lehrstuhl Pflanzenphysiologie als Kooperations-Forschungseinrichtung. 

Aktuell steht der Startschuss für die erste Produktionsserie des Myriad Gartens bevor. Interessenten können sich voranmelden, um sich einen der  ersten autonomen Indoor-Gärten zu sichern. Als Dankeschön bekommen alle „early Birds“ kostenloses Saatgut für ein Jahr dazu.

Die Angelsachsen  haben so ein Wirtschaften „from farm to fork“ genannt, aber ursprünglich etwas anderes damit gemeint.

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