Mordfall Claudia Ruf neu aufgerollt

Der Mord an einem 11 Jahre alten Mädchens mit Namen Claudia Ruf am 11.Mai 1996 ist nicht aufgeklärt. Es geschah in der Zeit zwischen 18.25 und 18.50 Uhr in Hemmerden, ein Dorf, das zu Grevenbroich gehört und sich nördlich davon befindet. Hier ist sie ihrem Mörder bei einem Spaziergang mit des Nachbars Hund begegnet. Was dann passierte, davon hat die Polizei eine Hypothese, die sie aber nicht verlautet, was üblich ist, weil das Wissen darum helfen könnte, Spuren zu verwischen.

Sicher ist, dass Claudia mißbraucht wurde, und wie die ermittelnden Behörden auf einer Pressekonferenz am heutigen 15.11.19 im Kreishaus in Grevenbroich auf Befragen des Neusser Tageblatts erklärten, erdrosselt wurde. Das war an einem Samstag. Am darauffolgenden Montag wurde die Leiche des Kindes an einem Feldweg im ca. 70 km entfernten Euskirchen-Oberwichterich gefunden, unbekleidet und verbrannt. Dafür wurde sie mit Benzin übergossen und angezündet.

Schon damals hat dieses Ereignis weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erzeugt und die damalige Mordkommission hat keine Anstrengungen gescheut, das Verbrechen aufzuklären, war aber erfolglos. Wie jetzt in Grevenbroich gesagt wurde – der Fall wird noch einmal aufgerollt, weil es jetzt Möglichkeiten der Täterermittlung gibt, die vor 23 Jahren unbekannt waren – geht man davon aus, dass das Verbrechen spontan geschah. Das sollte allerdings hinterfragt werden. Allein die relativ perfekte Spurenvernichtung spricht dafür eigentlich nicht.

Trotz der Spurenvernichtung wurden DNA-Spuren des Mörders an Claudia gesichert. Zur damaligen Zeit reichten die technischen Hilfemittel nicht, sie nutzbringend zu verwerten. Es wurden damals schon DNA-Proben von Leuten genommen, um dem Mörder auf die Schliche zu kommen, erfolglos.

Das könnte jetzt anders werden. Die technischen Möglichkeiten wurden stark verbessert und es gibt nun auch die Chance, über Verwandtschaftsverhältnisse der Aufklärung nähr zu kommen. Dafür hat der Gesetzgeber inzwischen die Möglichkeit geschaffen. D.h., wenn man sich so dem Mörder nicht nähern kann, so doch vielleicht jemand, der mit ihm blutmäßig verwandt ist.

Der Aufwand für die Neuaufrebung ist enorm. Es werden alle Einwohner von Hemmenden, die zur Zeit im Alter von 14 bis 70 Jahren waren, zur DNA-Probe gebeten. Das sind ca. 2000. Auch sind die darunter, die inzwischen verzogen sind, auch heute 93jährige, falls es so etwas gibt.

Um die Öffentlichkeit mit der neuen Entwicklung bekannt zu machen waren angereist:

Oberstaatsanwältin Carola Guddat (Staatsanwaltschaft Mönchengladbach)

Leitender Polizeidirektor Friedhelm Hinzen (Abteilungsleiter Polizei, Rhein-Kreis Neuss)

Leitender Kriminaldirektor Norbert Wagner (Leiter der Direktion Kriminalität, Polizei Bonn)

Erster Kriminalhauptkommissar Reinhold Jordan (Leiter der Mordkommission, Polizei Bonn)

Regierungsoberrat Dr. Dirk Porstendörfer (Landeskriminalamt NRW).

Sie alle standen den Medien für Fragen zur Verfügung. Die war in Kompaniestärke anwesend, darunter auch Nachrichtenagenturen und überregionale Berichterstatter.

Nach einer neuen Bewertung gehen Profiler des Landeskriminalamtes NRW von einer Nahraumtat aus. Dies bedeutet, dass der Täter im Mai 1996 mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder in Hemmerden wohnte oder zumindest einen starken Bezugspunkt nach Hemmerden hatte und am Abend des 11. Mai 1996 auf Claudia Ruf traf. Dies hat zur Folge, dass die Polizei die Menschen in Hemmerden und Umgebung noch einmal gezielt um Hinweise bittet

Mit einem Faltblatt, welches das Landeskriminalamt NRW aufgelegt hat, wenden sich die Ermittler an die Menschen in Hemmerden. Am Samstag, 16.11.19, werden rund 2000 Informationsschriften an die Haushalte verteilt. Das macht die Polizei.

Neben Informationen zum Tatgeschehen befindet sich in der Schrift auch ein Aufruf von Claudia Rufs Vater: „Nach mehr als 23 Jahren, besteht die große Chance, dass das so traurige Schicksal meiner Tochter aufgeklärt wird …“, bittet er die Einwohner Hemmerdens um Mithilfe.

Weitergehende Informationen zu dem Mordfall Claudia Ruf sind auf der Webseite der Bonner Polizei (bonn.polizei.nrw/MKRuf) veröffentlicht. Dort steht auch die Informationsschrift als pdf zur Verfügung.

Hinweise werden über ein auf der Webseite integriertes Hinweisformular, ein Hinweistelefon der Polizei, Rufnummer 02131 300-25252 oder von jeder Polizeidienststelle entgegengenommen.

Die Polizei des Rhein-Kreis Neuss wird mit einer mobilen Wache am Samstag, 16.11.19, in der Zeit von 09.00-14.00 Uhr sowie in der darauffolgenden Woche, von Montag bis Freitag, in der Zeit von 15.00-20.00 Uhr vor Ort in Hemmerden sein und bittet darum angesprochen zu werden.

Für die Ermittlungen wurde eine besondere Aufbauorganisation unter Federführung des Polizeipräsidiums Bonn gebildet. Zeitweise werden bis zu 50 Beamte behördenübergreifend an dem Fall arbeiten, darunter eine zwölfköpfige Mordkommission.

Unsere Fotos zeigen die Bank mit den leitenden Beamten und Claudia Ruf.

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