Nicht permanent an der Steuerschraube drehen

„Das Jahr 2012 war für die Mönchengladbacher Wirtschaft zufriedenstellend,“ sagt Heinz Schmidt, Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein. Die Industrie- und Handelskammer kommt zu dieser Aussage nach eigenen Erhebungen und Auswertung von Daten der amtlichen Statistik ( IT.NRW sowie Arbeitsagentur). Demnach war die Stimmung der Mönchengladbacher Wirtschaft bis in den Spätsommer hinein gut, die Industrieumsätze waren höher als im Aufschwungsjahr 2010 und die Arbeitslosigkeit sank im langfristigen Vergleich spürbar.

Gut 85 Prozent der Mönchengladbacher Betriebe bezeichneten bei der Spätsommerumfrage der Industrie- und Handelskammer die aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend, lediglich 15 Prozent zeigten sich nicht zufrieden. Folglich nimmt der IHK-Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, für Mönchengladbach mit 109 Punkten einen Wert an, der über dem neutralen Niveau von 100 Punkten liegt. Gemessen an diesem Indikator erweisen sich die unternehmensnahen Dienstleister (127 Punkte) als konjunktureller Spitzenreiter, gefolgt vom Großhandel (114 Punkte). „Angesichts der Verunsicherung auf den Märkten aufgrund der Krise in der Eurozone sowie den rezessiven Entwicklungen in vielen wichtigen Exportländern zeigt dieses Ergebnis, wie robust die Mönchengladbacher Wirtschaft ist,“ erklärt Schmidt.

Die Wirtschaftsdaten der amtlichen Statistik zeigen jedoch auch, dass die wirtschaftliche Situation im Jahr 2012 bereits schwieriger als im Vorjahr war. Die Arbeitslosenzahl war nach Angaben der Arbeitsagentur im November 2012 um 2,2 Prozent höher als im Vorjahr. „Allerdings ist in diesem Fall ein langfristiger Blick lohnenswert. So ist die Arbeitslosenzahl von November 2005 bis November 2012 um gut 27 Prozent gefallen,“ erläutert Schmidt. Dies sei auf die hohe Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft sowie die umfangreichen Reformen des Arbeitsmarktes zurückzuführen. „DieFlexibilisierung des Arbeitsmarktes hat sich ausgezahlt.“

Auch bei den Industrieumsätzen ist eine differenzierte Betrachtungsweise notwendig. „Von Januar bis September 2012 ist der Umsatz in Mönchengladbach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent zurückgegangen,“ sagt der IHK-Präsident. Das deutliche Minus sei allerdings auf das außerordentlich gute Jahr 2011 mit verschiedenen Großaufträgen in einzelnen Branchenzurückzuführen. Daher vergleicht die IHK die Daten mit dem Aufschwungsjahr 2010. „Verglichen mit dem ebenfalls guten Jahr 2010 ist der Industrieumsatz in den ersten drei Quartalen 2012 sogar um 14 Prozent höher“, so Schmidt.

Risiken für ihr Geschäft sehen die Unternehmen in einem möglichen Einbruch der Inlandsnachfrage. Für 61 Prozent der Mönchengladbacher Unternehmen ist dies das größte Risiko. „Bisher war die deutsche Konjunktur sehr robust. Bei der Frage, ob dies so bleibt, wird das Vertrauen der Märkte in den Euro eine wichtige Rolle spielen,“ prognostiziert Schmidt. Zudem schätzten die hiesigen Unternehmen die hohen Energie- und Rohstoffkosten (39 bzw. 37 Prozent) als ein wesentliches Konjunkturrisiko ein. Drei Viertel der Mönchengladbacher Unternehmen rechnen für das Jahr 2013 mit gleich guten oder sogar besseren Geschäften als im Jahr 2012.

Positiv bewertet die IHK, dass es Mönchengladbach 2012 gelungen ist, Investoren zu motivieren. „Alleine durch das geplante Logistikzentrum des online Versandhändlers Zalando werden am Standort Mönchengladbach 1 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Angesichts einer zweistelligen Arbeitslosenquote ist das eine sehr gute Nachricht. Eine Steigerung der Einnahmen etwa durch eine Erhöhung der Steuerhebesätze sei kontraproduktiv. „Bereits die Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes auf 475 Punkte mit Wirkung vom 01.01.13  senkt die Attraktivität des Standortes,“ sagt der IHK-Präsident.

 

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