Neuss. Der Interessenausgleich zwischen wildlebenden Tieren und der Bevölkerung ist manchmal nicht leicht. Wenn nachts Straßen gesperrt werden, damit Amphibien zu ihrem Gewässer kommen sollen, ist das für Leute, die diesen Wege motorisiert nehmen wollen, ärgerlich und wird mit mehr oder weniger Zähneknirschen zur Kenntnis genommen.

Zähneknirschen verursachen jetzt auch – rund 50 Tage vor dem Start der Landesgartenschau Neuss 2026 – wildlebende Kanada-, Nil- und Graugänse auf dem Gelände. Sie haben es – wie viele andere in der Region – in Beschlag genommen. Fraßschäden und erhöhte Kotbelastung auf jungen Pflanzflächen, frischen Einsaaten und Wegen sind die Folge. Das hat einen Expertenrat auf den Plan gerufen, bestehend aus dem Veranstalterkreis der Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH, der Stadtverwaltung Sachverständigen, die sich au Wildtiermanagement spezialisiert haben.
Ziel ist es, der dauerhaften Ansiedlung der Tiere im Veranstaltungsbereich entgegenzuwirken und die neu angelegten Kultur- und Erholungsflächen nachhaltig zu schützen.
In einem ersten Schritt sollen abgestimmte Sofortmaßnahmen umgesetzt werden. Ziel ist die konsequente Lenkung und Vergrämung der Tiere zurück in ihre vorigen Bestands- und Aufenthaltsräume. Die dafür notwendige Aufhebung der Schonzeit für die Wildgänse wird bei den Behörden beantragt; mit Zustimmung wird zeitnah gerechnet.
Vorgesehene Maßnahmen sind eine koordinierte und gezielte Vergrämung durch geschulte Kräfte, der Einsatz entsprechend ausgebildeter Hunde zur Flächenlenkung, unterstützende Präventivflüge durch Falkner mit Greifvögeln sowie „biotoplenkende Maßnahmen“ zur Reduzierung besonders attraktiver Aufenthaltsbereiche. Dazu gehören Maßnahmen wie Sichtschutzpflanzungen, das Anlegen von Böschungen und die Reduzierung der Mähfrequenz.
Parallel zu den Sofortmaßnahmen wird ein ganzheitlicher Wildtiermanagement-Plan erarbeitet. Ziel ist eine nachhaltige Steuerung möglicher Nutzungskonflikte während und über die Laufzeit der Landesgartenschau hinaus.
Der Plan erfasst dabei alle auf dem Gelände vorkommenden Wildtierarten, bei denen es zu Nutzungskonflikten zwischen Mensch und Tier kommen kann – wie etwa Wildkaninchen – und entwickelt differenzierte Lösungen, die den Belangen der Wildtiere als auch den Anforderungen der Landesgartenschau gerecht werden.
Der Plan trägt zudem der Tatsache Rechnung, dass die Nilgans als invasive gebietsfremde Art in der Unionsliste der EU-Verordnung 1143/2014 geführt wird und für etablierte Bestände ein wirksames sowie verhältnismäßiges Management vorsieht.
Auch wenn Wildgänse die neu angelegten Flächen im übertragenen Sinne „zum Fressen gern haben“: Die Eröffnung der Landesgartenschau wird am 16. April wie geplant stattfinden. In den dann folgenden 179 Tagen werden rund 650.000 Schlustige erwartet. Diese können sich auf farbenprächtige Gärten, Garteninspirationen und außergewöhnliche Blumenausstellungen sowie ein abwechslungsreiches Programm freuen
Die Anzahl der Wildgänse auf dem LAGA-Gelände schwankt: In den vergangenen Wochen waren viele Gänse auf der Wiese unterwegs. In dieser Woche hingegen nur wenig. Credits: LAGA Neuss 2026 GmbH & Thomas Mayer Archive