Rhein-Kreis Neuss. Es sind noch ungefähr drei Jahre bis die Schaufelradbagger stillgelegt werden, welche die noch drei laufenden Braunkohlenkraftwerke im Grevenbroicher Stadtteil Neurath und in Niederaußem mit Braunkohle versorgen, die dann keinen Strom mehr liefern. Das Rheinische Braunkohlenrevier muss einer neuen Zweckbestimmung zugeführt werden.
Nach Angaben von RWE Power verlieren dann 6.000 Leute ihren Arbeitsplatz, insgesamt werden wohl 12.000 Arbeitsplätze entfallen, da auch die Zulieferbereiche nicht mehr benötigt werden. Einiges hat sich schon zuvor verändert. Die Aluminiumindustrie, die aus Tonerde Metall produziert, hat ihren Betrieb eingestellt und recycelt nur noch Aluminium, weil es jetzt schon keinen billigen Strom mehr gibt.
Damit eine Infrastruktur und damit neue Arbeitsplätze geschaffen werden, existiert bekanntlich ein Fonds aus Steuergeldern in Höhe von ca. €14,8 Mrd. Das ist ein Batzen Geld, der gut angelegt werden muss und Rentabilität zu schaffen hat. Das muss gelingen. Als Leuchtturmprojekte sind Rechenzentren von Microsoft in Bergheim, Elsdorf, Bedburg und neuerdings auch in Grevenbroich vertraglich festgeschrieben, weil hier Stromnetze aus der Braunkohleverstromung existieren, wie in keiner anderen Gegend, jetzt muss nur noch preiswerte Energie her.
Als Ersatz für den wegfallenden Braunkohlestrom werden nun Gaskraftwerke gebaut, die auch mit Wasserstoff betrieben werden können. Eins entsteht in Weisweiler in der Städteregion Aachen, die bekanntlich zum Rheinischen Revier zählt.
Wie geht Tourismusentwicklung
In diesem Umfeld hat auch Touristik einen Stellenwert. Die auslaufende Braunkohle hinterlässt riesige Flächen und aufgelassene Tagebaue, die danach rufen, sie so aufzubereiten, dass sie einen Erholungswert bekommen und eine wirtschaftliche Wertschöpfung ermöglichen.
Dafür wurde das Förderprojekt „Strategiekonzept Tourismusentwicklung im Rheinischen Revier“ geschaffen und damit eine Möglichkeit für Unternehmen, Geld zu verdienen und Beschäftigung zu ermöglich. Welche Grundlagen es dafür gibt und was man daraus machen kann, darum ging es beim Tourismustag Rheinisches Revier am 5. November im Haus Erholung in Mönchengladbach. Der Grundstein ist vorhanden, nun geht es darum, Potentiale auszuschöpfen.

Mönchengladbachs OB Felix Heinrichs ließ es sich nicht nehmen, ein paar Worte zur Eröffnung zu sagen. Vor den Toren der Stadt beginnt der Naturpark Rheinland, dessen Attraktion eine Seenlandschaft ist, wie sie sonst nicht in Deutschland anzutreffen ist, wenn die offenen Tagebaue von Garzweiler un Hambach erst einmal mit Wasser gefüllt sind. Das wird wohl eine Weile dauern, das Nass wird ja bekanntlich dem Rhein entzogen, auf dem im Laufe des Klimawandels nicht mehr so viel Verlass ist, aber Wasser gibt es genug in der Region. Südwestlich davon sind riesige Wassermengen in den Rurtalsperren vorhanden, die ließen sich sicher anzapfen, um den Flutungsprozess zu beschleunigen.
Felix Heinrichs, OB der Hauptstadt des Niederrheins (so er während seiner Ansprache), mahnte Kooperationsbereitschaft der Akteure an, die sich nun um die touristische Entwicklung zu kümmern haben. Er verwies dabei auf seine Stadt, die mit Krefeld die Hochschule Niederrhein entwickelte und auch die Theaterehe mit der Nachbarschaft. Beides würde es ohne die vertrauensfördernde Zusammenarbeit nicht geben. „Das Gemeinsame ist mehr wert als jedes Einzelne“, so de Tenor seiner freundlichen Worte.
Wie man voneinander lernt
Von einander lernen, das ist regelmäßig der Sinn solcher Veranstaltung. Einen Beitrag dazu lieferte auch Axel Biermann, Chef der Ruhr Tourismus GmbH und dass seit mehr als 20 Jahren. Auch hier ging es seinerzeit um einen Kohleausstieg, der allerdings nicht von der Obrigkeit erzwungen wurde, sondern aus der Erschöpfung der Ressourcen. Eine Aufgabe ungleich schwieriger wegen der Größe der Region, die von Winterberg bis jenseits von Duisburg reicht und den vielen unterschiedlichen Interessen. Aber gelungen ist die Transformation doch. So wird es denn auch hier geschehen, Glück auf!
Als es schon einmal um das Rheinische Reveir ging