Dormagen. Die Tafel Dormagen ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und mittlerweile zu einem großen Verteilzentrum geworden, das mehr als 30 Tafeln im Umkreis von rund 50 Kilometern versorgt. 85 Personen – davon 65 Ehrenamtliche – kümmern sich hier um Bedürftige. Nun ist ein neuer Schritt geplant. Zusätzlich zur Tafel soll ein Sozialkaufhaus entstehen, in dem gebrauchte Kleidung, Hausrat und Möbel angeboten werden.
Bei einem Besuch der Tafel Dormagen informierte sich – wie die Pressestelle mitteilt – Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester über das, was in Dormagen passiert, nicht zuletzt deshalb, weil rund 20 Prozent der Dormagener Tafel-Kundschaft aus aus dem Kölner Norden stammt, der bekanntlich strukturschwach ist.

Geplant ist ein Neubau eines zweigeschossigen Gebäudes mit einer Nutzfläche von circa 600 Quadratmetern. Dieses soll angrenzend an das jetzige Gebäude der Tafel Dormagen entstehen. Das Kaufhaus soll durch die Tafel Dormagen betrieben werden. Da die zu erwartenden Verkaufserlöse nicht ausreichen werden, um die Kosten für den Betrieb des Sozialkaufhauses (Personal- und Sachkosten) zu decken, wird der Tafel ein entsprechender Betriebskostenzuschuss gewährt, heißt es.
„Für uns ist das ein guter Invest in die Sozialstruktur. Als Stadt liegt es uns sehr am Herzen, unsere Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Und zwar in allen Bereichen“, wird Bürgermeister Erik Lierenfeld in diesem Zusammenhang zitiert
Die Tafel hat bekanntlich die Mission, Lebensmittel zu retten und armutsbetroffenen Menschen zu helfen. Zudem betreibt sie bereits jetzt eine Kleiderkammer in der es günstig Kleidung und Sonderposten gibt. Zukünftig soll das Angebot um Elektroartikel wie z.B. Waschmaschinen, Trockner und Kleinmöbel erweitert werden. Dafür das Sozialkaufhaus.
Die Tafel wird gerne als Erfolg verkauft. In Wirklichkeit ist sie ein Armutszeugnis. Nach den Coronamaßnahmen und erst recht nach dem Beginn des Ukrainekrieges hat sich die Armut rasant vergrößert. Darüber wird wenig gesprochen, und Leute, die sich Lebensmittel an der Tafel holen müssen – zunächst ist ein Papier vorzuzeigen, dass die Armut dokumentiert – stundenlang anstehen und das bei Hitzetemperaturen und in eisiger Kälte. Zwar gibt es einen geschützten Eingangsbereich, doch der ist für den Andrang viel zu klein.
Das Beitragsfoto ist ein Screenshot von der Webseite der Dormagener Tafel
PS: Es darf erlaubt sein zu fragen, warum die Armut so rasant angestiegen ist? Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg ein Wirtschaftswunder erlebt. Das war dem Marschallplan und der Wirtschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft zu danken. Die ist heute weitestgehend eliminiert, durch permanente Eingriffe des Staates, was als Überregulierung bezeichnet wird, die keiner wieder abschafft. Anstatt mehr Tafeln zu gründen und Sozialkaufhäuser wäre es sinnvoller, für gut bezahlte Beschäftigung zu sorgen und natürlich dafür, dass aus Konflikten nicht wieder Kriege entstehen.