Alles hängt an preiswerter Energie

Rhein-Kreis Neuss. Das ehemalige Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf steht vor einer außergewöhnlichen Transformation: Hier wurde aus Braunkohle Strom im 20. Jahrhundert gewonnen. Nun soll ein Leuchtturmprojekt der Digitalwirtschaft werden. Während der Rückbau auf der nördlichen Kraftwerksfläche im Sommer 2025 begonnen hat, bleibt die beeindruckende, rund 550 m weite Maschinenhalle als Herzstück des Areals erhalten – und erhält eine völlig neue Zukunft. Sie wurde von Grevenbroich gerade als Denkmal eingestuft. Zur Vorberichterstattung geht es hier.

In Abstimmung mit der industriekulturellen Denkmalpflege entsteht ein  Nutzungsmix: Büroflächen, leistungsstarke Rechenzentren sowie ein Denkmalpfad des Landschaftsverbands Rheinland. Die Fläche um der Halle soll – auf insgesamt rund 49 Hektar – neue, digitalorientierte Unternehmen erhalten. Besonders die freigeräumte Nordfläche spielt eine Schlüsselrolle: Dort ist die Ansiedlung eines Rechenzentrums geplant, das direkt an ein überregionales Datendrehkreuz angebunden werden soll. Diese leistungsstarke Infrastruktur macht den Standort zu einem der vielversprechendsten Digital-Hubs der Region alles unter der Voraussetzung, dass es genug elektrische, preiswerte Energie gibt.

Die Maschinenhalle steht unter Denkmalschutz

Um die Entwicklung des Areals gezielt voranzutreiben, wurde zu Jahresbeginn die Zukunfts.Kraftwerk Frimmersdorf Strategie GmbH gegründet. Die Gesellschaft, getragen vom Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Grevenbroich mit jeweils 45 Prozent sowie NRW.URBAN mit zehn Prozent, hat das Ziel, die freiwerdenden Flächen nachhaltig, wirtschaftlich und zukunftsorientiert zu entwickeln.

Sven Schumacher, Leiter der Stabsstelle Strukturwandel beim Rhein-Kreis Neuss, beschreibt den Standort als zentrales Symbol des Wandels: „Die Entwicklung des ehemaligen Kraftwerksstandorts Frimmersdorf ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem der führenden Standorte der digitalen Wirtschaft. Der Standort bietet durch seine Lage im Stromknotenpunkt ideale Voraussetzungen und eine hohe Energieverfügbarkeit. Die Ansiedlung eines Hyperscale-Rechenzentrums kann hier einen entscheidenden Impuls für weitere Unternehmen der Digitalwirtschaft geben.“

Unter dem Projektnamen „Coal2Cloud“ verfolgt die Strategiegesellschaft das Ziel, Bauland speziell für Unternehmen der Digitalbranche zu schaffen – mit hohem technologischem Anspruch und entsprechender Wertschöpfungskraft. Das Leitbild lautet dabei: „Vergangenheit trifft Zukunft“. So soll ein Zentrum für digitale Innovation, Forschung, Entwicklung sowie kulturelle und gewerbliche Nutzungen entstehen.

Der Standort Frimmersdorf selbst blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Schon 1926 wurde in Frimmersdorf das erste Braunkohlekraftwerk in Betrieb genommen. Das spätere Kraftwerk Frimmersdorf II, ab 1955 errichtet, war mit seiner 550 Meter langen Maschinenhalle und insgesamt 14 Kraftwerksblöcken zeitweise das größte Wärmekraftwerk der Welt. Die letzten beiden Blöcke P und Q gingen 1966 und 1970 ans Netz. Bis Mitte 2028 sollen die Rückbauarbeiten vollständig abgeschlossen sein.

Für die Zukunft des Standorts beginnt nun ein entscheidender Schritt: Bis zum heutigen Tag können sich potentielle Investoren im Rahmen eines Vergabeverfahrens für die Entwicklung des Areals bewerben.

Mit dem Wandel vom Kohlekraftwerk zum digitalen Innovationsstandort entsteht in Frimmersdorf nicht nur ein neues Kapitel der regionalen Wirtschaftsgeschichte. Das Projekt sendet auch ein starkes Signal für einen erfolgreichen und nachhaltigen Strukturwandel weit über die Grenzen des Rhein-Kreises Neuss hinaus, wenn es gelingt. Das geschieht nur, wenn auf Dauer preiswerte Energie gewonnen und bereitgestellt werden kann. Die letzten Braunkohlekraftwerke schließen im Revier schon 2030.

Anlässlich des 50jährigen Kreisjubiläums stellt der Rhein-Kreis Neuss im Rahmen der Serie „50 Jahre – 50 Orte“ Orte vor, so auch diesen. Der Text wurde mit sanfter Hand redigiert und um einige Anmerkungen ergänzt Alle Porträts werden im Laufe des Jahres auf der Homepage des Kreises veröffentlicht, alle sind hier  www.rhein-kreis-neuss.de/50-jahre einsehbar.

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