Was essen wir heute?

Foto: C_Peter Barci

Am kommenden Montag jährt sich die Reichsprogromnacht wieder einmal, als die Deutschen und Österreicher ihren jüdischen Mitbürgern übelst zusetzten, veranlasst von dem nationalsozialistischen Regime. Hier wurde ein Stück unserer Kultur und Zivilisation vernichtet, vor allem für jüngere Menschen heute schwer verständlich. 

Zur Kultur gehört auch das Küchenhandwerk, das von je her in Habsburg höher entwickelt war als in Preußen. Lore Lorenz vom Kom(m)ödchen in Düsseldorf soll einmal gesagt haben: In Preußen konnte man vom Boden essen, so sauber war es da, aber es schmeckte auch so.

Der Leopold Stocker Verlag in Graz hat ein Buch herausgebracht, das sich mit Fleisch einkochen beschäftigt, etwas, was gerade groß in Mode ist, wie sich aus den Statistiken der Einmachglashersteller ablesen lässt. Daraus wurde ein Rezept für ein jüdisches Gericht ausgesucht, das nicht sehr kompliziert zu verwirklichen ist und mit einem Hinweis versehen ist, wie zu viel zubereitetes haltbar gemacht werden kann

HÜHNERLEBER AUF JÜDISCHE ART

Zutaten

20 Stück Hühnerlebern, (gut zugeputzt), 2 kleinere Zwiebeln, 4 EL Gänseschmalz, 4 hart gekochte Eier, Salz und Pfeffer aus der Mühle, Gänseschmalz (oder auch Butter) zum Verfeinern.

Im Burgenland gab es damals mehrere jüdische Gemeinden, weshalb viele Traditionsgerichte der betreffenden Regionen, jüdischen Ursprungs sind. Dieses Rezept findet man rund um den Neusiedler See in vielen gutbürgerlichen Lokalen, wo es Ehrensache ist, dass man die „Jiddische Hühnerleber“ dem Gast „hausgemacht“ serviert.

Das schmeckt so gut, dass es sich lohnt, gleich mehr davon herzustellen. Es gibt zwei Varianten, eine traditionelle und eine moderne.

TRADITIONELLE VARIANTE

Die Hühnerlebern und Zwiebeln klein schneiden, die Zwiebeln in heißem Gänseschmalz glasig rösten, die Leberstücke dazugeben und so lange rösten, bis sie nicht mehr blutig sind. Alles auskühlen lassen, danach mit einem großen Messer zusammen mit den hart gekochten Eiern möglichst klein hacken, gut vermischen und mit Salz und Pfeffer würzen. Alles in einer Schüssel gut verrühren und dabei noch mehr Gänseschmalz (nach Geschmack) oder auch etwas Butter (wenn man dieser den Vorzug geben will) einarbeiten (ich gebe noch eine Prise mittelscharfes Paprikapulver dazu).

Kalt stellen, dann zusammen mit frisch gewärmtem Schwarzbrot auftischen.

Anmerkung: Statt der Hühnerleber kann man auch Gänseleber nehmen.

MODERNE VARIANTE

Zutaten für etwa 10–12 Portionen

1 kg Hühnerleber, 2–3 große Zwiebeln, 5–6 EL Gänseschmalz, 6–10 Knoblauchzehen (je nach Geschmack), 4 EL getrockneter Majoran (besser: 2 Sträußchen frischen), Salz und Pfeffer aus der Mühle, 1 Glas Seewinkler Trockenbeerenauslese (fakultativ) auch ein Südwein ist möglich, Gänseschmalz zum Bedecken.

Die Hühnerlebern putzen, häuten und in Stücke schneiden, die Zwiebeln schälen, möglichst fein hacken und im heißen Gänseschmalz ganz leicht bräunen. Den geschälten und grob gehackten Knoblauch sowie die Hühnerleberstücke zufügen. Alles unter Rühren braten, bis die Lebern „fest“ geworden und nicht mehr blutig sind, den Majoran hinzugeben und gut mit Salz und Pfeffer würzen. Wenn man will, mit Wein begießen, noch einige Minuten dünsten, bis alles gut verkocht ist. Die Masse mit dem Stabmixer oder in einer Küchenmaschine fein pürieren, eventuell auch noch durch ein feines Sieb streichen.

Die Masse in Tontöpfchen (vorzugsweise Portionsförmchen) füllen und mit einer Schicht flüssigem Gänseschmalz abdecken. Mit gebähtem (rösten, goldgelb braten) Brot servieren.

Variante für längere Haltbarkeit

Für eine längere Haltbarkeit (sowohl der traditionellen als auch der modernen Variante) die Masse in sterile Gläser füllen und anschließend mit einer dicken Schicht heißem Gänseschmalz (3 cm hoch) übergießen – so hält die Hühnerleber auf jüdische Art ca. 1–2 Wochen im Kühlschrank.

Wenn man die Hühnerleber einkocht, beträgt die Haltbarkeit mindestens 6 Monate (bei 4 °C): Dazu die Lebermasse grob oder fein faschiert in Einkochgläser (à 100 ml) füllen und

1 gute Stunde bei 78 °C im Einkochtopf einkochen (eine Kerntemperatur von 72 °C ist unumgänglich!).

Guten Appetit

Hier geht es zu dem ganzen Buch

close

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter!

Wenn Sie noch mehr wissen wollen, tragen Sie sich ein für einen kostenlosen Newsletter und erhalten Sie vertiefende Infos zu gesellschaftlichen Entwicklungen, Kulinarik, Kunst und Kultur in Neuss!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.