Grevenbroich. Einer der Großen der Spitzengastronomie, Dieter L. Kaufmann, Inhaber und Koch der „Zur Traube“ ist im Alter von 89 Jahren in Neuss aus dem Leben gegangen.

Er kam in Grevenbroich 1937 zur Welt, wo er nach seiner Schulzeit eine Lehre als Konditor absolvierte und danach das Kochhandwerk in Düsseldorf erlernte. Über seine Eltern ist nichts bekannt, sie dürften aber nicht unbemittelt gewesen sein, als er mit 25 Jahren ein Gründerhaus an der Bahnstraße 47 kaufte in dem das Hotel und Restaurant „Zur Traube“ domizilierte.
Sein Ableben hat Jürgen Dollase, Restaurantkritiker, Autor und Koch, wohnhaft in Mönchengladbach, veranlasst eine Laudatio auf Facebook zu verfassen, aus der wir zitieren dürfen.
„Mit Kaufmann ist eine Legende von uns gegangen, die auch für mich persönlich eine prägende Figur war. Alle Welt redet von seinem „Parfait vom Stör mit Kaviar“, für mich war noch wichtiger, dass er in seinem Restaurant mit seiner Frau Elvira – geboren aus den internationalen Erfahrungen der beiden – eine Gefühl von Gourmetküche und Gourmet-Gastronomie vermittelte, das sofort durch viele klassische Merkmale überzeugte, die heute oft fehlen und die wir wiedergewinnen sollten. Man war Gast, wurde aber nicht betüddelt, sondern trat in die Welten der feinen Esskultur ein in die man sich nicht „einkaufte“, sondern an denen man teilnehmen durfte. Das Paar Dieter und Elvira Kaufmann hatte eine unnachahmliche Ausstrahlung, die sich aber nicht nur gastronomisch, sondern auch kulinarisch niederschlug: hier war die Verfeinerung zu Hause, eine auch geschmackliche Eleganz auf dem Teller, die seine Gerichte immer von allen anderen unterscheidbar machte. Er hat nie einen dritten Stern bekommen, aber noch neulich sagte einer seiner Schüler zu mir, dass er heute bei weitem in dieser Liga mitspielen würde. Dass er eine gigantische Champagner-Sammlung besaß, war kein Zufall. Es ging hier aber nicht um knallende Korken, sondern wieder um die Eleganz des im wahrsten Sinne des Wortes gepflegten Genusses, einer Fähigkeit, die man lernen kann und lernen sollte, eine Verdichtung von Gesten, und eben bis hinein in das milde Geschmacksbild seiner Gerichte, denen jede kulinarische Kraftprotzerei fern war. Er war schon länger nicht mehr aktiv. Aber angesichts seines Todes sollten wir uns seine großen Qualitäten in Erinnerung rufen – nicht nur in Ehren halten, sondern sie als lebendige Anregung begreifen, eine der schönsten Dinge der Welt in adäquater Form zu genießen, nein, zu leben.“
Elf Jahre, nachdem Kaufmann das Haus an der Bahnstraße erworben hatte, 1973, erhielt das Restaurant den ersten Michelin-Stern, 1983 den zweiten. Dieses hohe Niveau konnte er 27 Jahre bis 2009 halten. Im März 2014 schloss er das Restaurant. 2018 verkaufte er das Gründerzeit-Haus, das im gleichen Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurde und gab dort eine Abschluss-Veranstaltung.
Bürgermeister Klaus Krützen macht sich stark dafür, die Story, die sich das Grevenbroicher Restaurant „Zur Traube“ rankt, ins Stadtarchiv aufzunehmen. Zur Vorbereitung besuchte er das Ehepaar Kaufmann 2024 in Neuss. Zur Vorberichterstattung hier klicken